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Gegen den Nationalsozialismus zeigte sich das Rheinland resistenter als andere Regionen Deutschlands. Sein städtisch-bürgerliches und katholisch-soziales Milieu ließ nur unterdurchschnittliche Wahlergebnisse zu. Dagegen lag die Zahl rheinischer NSDAP-Mitglieder mit auffällig vielen Angestellten und Selbständigen und wenigen Bauern auf Reichsniveau. In der Führungsriege sind Reichspropagandaminister Joseph Goebbels (1897-1945) aus Rheydt, Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop (1893-1946) aus Wesel und der Chef der "Deutschen Arbeitsfront" Robert Ley (1890-1945) aus Niederbreidenbach die exponiertesten rheinischen Nationalsozialisten.
Eine spezifisch rheinische Gruppe von Opfern nationalsozialistischer "Rassehygiene" waren die im Sommer 1937 zwangssterilisierten Kinder deutscher Frauen und farbiger Besatzungssoldaten ("Rheinlandbastarde").
Auch am Rhein liefen die Novemberpogrome von 1938 und die Deportation von Juden und anderen Verfolgten mit notorischer Radikalität und PIanmäßigkeit ab, selbst wenn hier kein großes Zwangsarbeits- oder Vernichtungslager existierte.
Am 12. November 1938 verfügte Hermann Göring als Hitlers "Beauftragter für den Vierjahresplan" eine "Sühneleistung" der deutschen Juden von einer Milliarde Reichsmark (RM) für die Kosten zur Wiederherstellung des in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 durch die nationalsozialistischen Pogrome beschädigten jüdischen Eigentums. Opfer wurden damit zu Tätern gemacht. Mit Schreiben wie der unten zitierten "Polizeilichen Festsetzung" trieben die Behörden in nur einer Woche die Zwangskontribution von den Juden ein - zum Abbau der Inlandsverschuldung des Staates, die 1938 auf den Rekord von 42 Mrd. RM gestiegen war.
"Der Oberbürgermeister
als Ortspolizeibehörde
Abteilung 21 Ob.
Oberhausen, den 23. Mai 1939
1.) Herrn
Isidor Kahn,
Vorsitzender der ehem. Jüdischen
Gemeinde zu Oberhausen Rhld.
zust. Herrn Fritz Minhorst
Geqen Behändiqunqsschein
Oberhausen
Altmarkt 2.
POLIZEILICHE FESTSETZUNG
Infolge der durch Brand zerstörten Synagoge auf dem Grundstück Friedenstr. Nr. 24, hier, (Gemarkung Oberhausen, Flur 35, Parzellen 406/219 und 407/130) waren, um Gefahren von der Allgemeinheit abzuwehren, durch welche die öffentliche Sicherheit und Ordnung hätte bedroht werden können, nach pflichtmäßigem Ermessen der Baupolizeibehörde folgende Maßnahmen erforderlich:
Auf Grund der §§ 53 und 55 des Polizeiverwaltungsgesetzes vom 1.6.1931 [ ] insbesondere auf Grund der Verordnung des Beauftragten für den Vierjahresplan zur Wiederherstellung des Straßenbildes vom 12.11.1938LJ mußte aus Gründen des öffentlichen Interesses die sofortige Ausführung der Arbeiten durch einen Dritten erfolgen.
Die Arbeiten, die nach Ausschreibung an die mindestfordernden Bauhandwerker vergeben wurden, haben ausweislich der bei der Baupolizei zur Einsicht offenliegenden Rechnungen folgende Kosten verursacht:
Dieser Betrag wird hiermit festgesetzt. Gleichzeitig ergeht die Aufforderung an Sie, diese Schuldsumme binnen 1 Woche bei der Stadtkasse in Oberhausen Rhld. einzuzahlen.
D[urchschriften] erhalten die Stadtkasse und Abt. 14
zur Kenntnis
I.V.
Kuhlmann"
Früher als das übrige Deutschland spürte die Rhein-Ruhr-Region die Vergeltung für Hitlers Eroberungskrieg. Ab Mai 1940 wurden Luftangriffe ein alltäglicher Schrecken. Gerade in den letzten Kriegsmonaten gingen noch viele rheinische Städte in Nahkampf und Bombenhagel zugrunde.
Im Zweiten Weltkrieg beschädigte Gebäude im Vergleich zum Gesamtbestand:
| Düren 99% | Duisburg 65% | Remscheid 51% | Kleve 47% | Oberhausen 31 % |
| Jülich 97% | Koblenz 61% | Krefeld 50% | Wuppertal 39% | Mühlheim 29% |
| Moers 76% | Düsseldorf 51% | Aachen 48% | Bottrop 38% | M'Gladbach 24% |
| Köln 70% | Essen 51% | Bonn 47% | Neuss 37% | Solingen 20% |