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Nach 1945 traten rheinische Städte das Erbe Berlins als Hauptstadt Deutschlands, Kapitale Preußens und Unternehmenszentrum des alten Reiches an. 1946 machten die Briten Düsseldorf zum Regierungssitz Nordrhein-Westfalens im ehemaligen Preußen. 1949 wurde Bonn Bundeshauptstadt. Auch der Deutsche Industrie- und Handelstag, der Deutsche Gewerkschaftsbund und andere Verbände zogen an den Rhein. Für die rheinische Wirtschaft verkürzten sich die Wege zu einflussreichen Politikern und Lobbyisten um fast 600 Kilometer.
Ferner stärkten sie Firmenzuzüge aus Berlin, nachdem die sowjetische Blockade 1948/49 die labile Lage des Westteils offenbart hatte.

Trotz Krieg und Demontagen verfügte das Rheinland noch immer über ein großes Arbeitskräftepotential und eine strukturell leistungsfähige Großindustrie. Der aufkeimende Ost-West-Konflikt förderte bei den Westmächten die Einsicht, dass der Wiederaufbau ihrer Zonen, ja Westeuropas, ohne eine Gesundung der Wirtschaft an Rhein und Ruhr nicht gelingen konnte. Statt die westdeutsche Infrastruktur durch Entnahmen aus dem verbliebenen Produktionsapparat fortwährend zu schwächen, verhalf der Marshall-Plan der USA den Deutschen zu strategischen Anschubfinanzierungen und neuer Kreditwürdigkeit.
Bis Mitte 1952 befristet und zur Hälfte geliehen, wirkte die amerikanische Hilfe für Westdeutschland wie eine Initialzündung, wirtschaftlich und psychologisch. Hauptempfängerland war Nordrhein-Westfalen, wo das Geld in erster Linie in den Kohlebergbau, das Nachrichten- und Verkehrswesen sowie die Energieversorgungsbetriebe floss.
Schon 1951 übertraf die Industrieerzeugung der Bundesrepublik den Stand von 1938. Am Ende des Jahrzehnts sollte sie sich mehr als verdoppelt haben.
| Jahr | Indus-triepro-duktion (1950 =100) |
Erwerbs-tätige(Mio.) | Erwerbs-losigkeit abhängig Beschäf-tigter (%) |
Lebens-haltungs-kosten (1950 =100) |
Brutto- stunden-verdienst (1950 =100) |
|---|---|---|---|---|---|
| 1949 | 80 | 13,5 | 8,3 | 107 | 95 |
| 1950 | 100 | 13,8 | 10,3 | 100 | 100 |
| 1951 | 118 | 14,6 | 9,0 | 108 | 115 |
| 1952 | 126 | 15,0 | 8,4 | 110 | 124 |
| 1953 | 139 | 15,6 | 7,5 | 108 | 130 |
| 1954 | 155 | 16,3 | 7,0 | 108 | 133 |
| 1955 | 178 | 17,2 | 5,2 | 110 | 142 |
| 1956 | 192 | 18,1 | 4,1 | 113 | 156 |
| 1957 | 203 | 18,6 | 3,4 | 115 | 170 |
| 1058 | 209 | 18,8 | 3,5 | 119 | 182 |
| 1959 | 225 | 19,4 | 2,4 | 121 | 191 |
Von 1950 bis 1960 verdreifachte sich das Bruttoinlandsprodukt. 1952 erzielte man erstmalig einen Exportüberschuss.
Marshall-Plan, Mark und Marktwirtschaft hauchten der Wirtschaft erstaunlich schnell neues Leben ein. So stieg auch der Durchschnittsverdienst in den 1950er Jahren real um 50 Prozent. Der Arbeitsaufwand für Artikel des Grundbedarfs sank um 30, für Genussmittel und Luxusgüter um 50 bis 60 Prozent.
| Monat und Jahr | 1 Kg Zucker | 1 Kg Butter | 1 Kg Kaffee | 1 VW Käfer |
|---|---|---|---|---|
| November 1949 | 58 Min. | 4 Std. 23 Min. |
22 Std. 37 Min. |
3.946 Std. |
| November 1958 | 32 Min. | 2 Std. 58 Min. |
8 Std. 2 Min. |
1.675 Std. |
| Oktober 1970 | 11 Min. | 1 Std. 11 Min. |
2 Std. 41 Min. |
787 Std. |
| Oktober 1975 | 10 Min. | 52 Min. | 1 Std. 37 Min. |
690 Std. |
| Juli 1983 | 9 Min. | 42 Min. | 1 Std. 36 Min. |
607 Std. |
Allerdings verharrte die Arbeitszeit der Sechstagewoche bei rund 48 Stunden. Die D-Mark verteuerte viele Waren und verlor bis 1959 ein Fünftel ihrer Kaufkraft.
Bei der Einführung der D-Mark im Juni 1948 startete die Bevölkerung mit einem "Kopfgeld" von 40 DM. Unternehmen erhielten für geschäftliche Zwecke einen Übergangsbetrag von 60 DM je Arbeitnehmer. Die neuen Scheine waren zunächst im Aussehen noch fremd. Die 20-DM-Scheine erinnerten im Aussehen sogar an amerikanische Dollarnoten. Außerdem gab es 1/2-DM-Scheine, weil das Metall noch knapp war.
Die Hoffnung, die Währungsreform werde Volkes Reichtum gerechter verteilen, trog: 1960 gehörten einem Sechstel aller Haushalte fast drei Viertel des Privatvermögens.