Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Sie sind hier: WirRheinländer > Die Ausstellung > Szenen > Nachtjackenviertel

Häuserviertel/Nachtjackenviertel – 1880

Prostituierte

Überfüllte, überteuerte, hässliche Mietskasernen in öden Straßen. Enge Wohnungen, spärlich eingerichtet, mangelhafte hygienische Verhältnisse. Die Ernährung unausgewogen, die Arbeitszeiten unzumutbar lang, die Löhne niedrig, die Rahmenbedingungen miserabel. Es zog am Arbeitsplatz, es war dunkel und schmutzig. Die Straßen waren unsicher. Unfallverhütung war ein Fremdwort.

Die Verelendung des Proletariats schreitet in den 70er Jahren voran. In den schnell wachsenden Städten entstanden Elendsviertel. Menschen verrohten. Frauen standen nur wenige Berufe und Arbeitsbereiche offen. Aus Mangel an Alternativen und aus sozialer Not waren viele zur Prostitution gezwungen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Da der Staat lange Zeit keine umfassende soziale Vorsorge traf, schufen Betriebe ihrerseits soziale Hilfseinrichtungen, wie z.B. Pensionskassen.

Nicht ohne Selbstzweck, wie Werner von Siemens 1872 erläutert:
"Es wird in immer weiteren Kreisen als eine Pflicht der Arbeitgeber aufgefasst … für ihre Arbeiter, deren Kräfte sie ausnutzen, Sorge zu tragen, … Dies zeigt, dass der Unternehmer damit auf den immer größeren gesellschaftlichen Druck reagiert, der durch steigende Anerkennung sozialistischer Ideen auf Fürsorge für die Arbeit drängt. Es ist (auch) von höchster Wichtigkeit einen festen Arbeitsstamm zu schaffen …Steht bei ihnen erst die Überzeugung unwandelbar fest, dass denen, die bei uns bleiben die Sorge für ihr Alter und ihre Familie genommen ist, so werden sie dadurch an das Geschäft geknüpft."
(Zitiert in: Dietrich, Carola und Annika Burchard: Die Soziale Frage im 19. Jahrhundert, Geschi.de 2002, S. 14)

Zurück zum Ausstellungsplan

to the english sites