Sie sind hier: WirRheinländer > Die Ausstellung > Szenen > Gründerzeithaus

Deutsche Einheit und Entstehung des Kaiserreichs markierten den Beginn der Gründerzeit. Spiegelbild des neuen Reichtums waren die Villen in den Städten und ihre pompöse Innenarchitektur. Die vom Wiener Maler Hans Markart geprägte Stilrichtung nahm Einzug in die Salons des gehobenen rheinischen Bürgertums. Die aufstrebenden bürgerlichen Kreise bemühten sich um Ansehen in der Gesellschaft. Der Tochter aus gutbürgerlichem Haus galt ein Offizier der preußischen Armee als geeigneter Heiratskandidat.
Mit der Berufung Otto von Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten begann eine neue politische Ära. Indem er Verfassung, Landtag und Budgetrecht des Parlaments ignorierte, setzte er seine Heeresreform durch. Es war damit der sich verändernden außenpolitischen Lage angepasst. Die Folge war eine gefestigte Vormachtstellung des Offizierstandes in der Gesellschaft und eine zunehmende Militarisierung ziviler Lebensbereiche. Die Uniform wurde zum Aushängeschild, der Offizier wurde zum Erzieher der Nation.
Die militärische Tradition der Preußen beschreibt Fürst von Bülow folgendermaßen:
"König Friedrich Wilhelm I. war nicht der nur der rauhe Drillmeister der später unbesieglichen Potsdamer Wachtparade, er war auch der Schöpfer des Geistes der preußischen Armee, der die preußischen und deutschen Fahnen geleitet hat von Mollwitz und Hohenfriedberg bis Tannenberg und Verdun. Aus der Schar der rauen tapferen Landjunker schuf er das preußische Offizierskorps mit seinen peinlichen Pflicht- und Ehrbegriffen, dem engen innerlichen und äußeren Zusammenhalt und der ihm anvertrauten Mannschaft, der Kameradschaftlichkeit, dem militärischen Stolz und der monarchischen Treue. Der König, der den Soldatenrock trug, war der erste Offizier der Armee, die Offiziere, die des Königs Rock trugen, bildeten den ersten Stand im Staat, …"
(Bülow, Fürst von: Deutsche Politik, Berlin 1916, S. 146f.)